Selbstbau und Optimierung von Teleskopen, Montierungen und Zubehörteilen



     Der Wechsel des Okularauszug an einem Celestron C6-N


Astrofotografie ist die wohl am anspruchsvollste Art zu fotografieren. Abgesehen von all den Schwierigkeiten, die Erdrotation auszugleichen, spielt auch die verwendete Optik eine entscheidende Rolle. Als ich selbst vor ein paar Jahren wieder in die Astronomie eingestiegen bin, machte ich mir schon im Vorfeld Gedanken darüber, was ich eigentlich machen wollte. Auf den Plan standen sowohl die visuelle Beobachtung als auch die Fotografie. Es mußte ein Kompromiss gefunden werden, der sowohl den finanziellen Rahmen als auch den Aufwand nicht sprengen sollte. Nach fast unzähligen Stunden im Internet und Gigabyte an Erfahrungsberichten entschied ich mich letztlich für den Celestron C6-N, ein 150/750mm-Newton, der von einer Vixen GP - Montierung getragen werden sollte. Visuell und später dann auch fotografisch.

Im November 2006 fiel mir etwas unverhofft eine Canon EOS 350D in die Hände, was die bis dahin fast ausschließlich visuelle Nutzung des C6-N, den ich zeitweilig auch als Dobson montiert benutzt hatte, beenden sollte. Zuerst startete ich diverse Versuche, die Kamera parallel auf der Gegengewichstange zu benutzen, bis ich mich im Frühjahr des folgenden Jahres dazu entschloss, die Kamera direkt am Newton zu versuchen. Dazu brauchte ich lediglich nur einen T2-Ring:





Die ersten Versuche waren ernüchternd. Das Bild zeigte radial vom Zentrum aus verzogene Sterne, die umso länger wurden, je weiter sie vom Zentrum entfernt waren. Ein typischer Fall von Koma:





Das ist leider das einzige Bild, das bis heute die Zeit überdauert hat.
Die Lösung dieses Problems lag in der Nutzung eines Komakorrektors. Um aber einen Komakorrektor nutzen zu können, mußte der am Newton verbaute 1¼"-Okularauszug gegen einen 2"-Okularauszug(OAZ) getauscht werden. Ich entschied mich für den Crayford-OAZ für Newtons der Fa. Baader, denn immerhin sollte auch der MPCC(Multi Purpose Coma Corrector) von Baader an der Kamera zum Einsatz kommen. Abgesehen davon war er der einzige im Handel erhältliche 2"-OAZ, deren Fokusweg in etwa dem des Origial-OAZ entsprach. Bei allen anderen hätte ich mit Verlängerungshülsen arbeiten müssen, die wiederum die Montage der Kamera instabil werden lassen.

Zum Anfang müssen alle optischen Teile, Fang-und Hauptspiegel, demontiert werden. Ich hatte dazu das ganze Equipment(Stativ - Montierung - Newton) aufgebaut. So ließ sich wunderbar am Tubus des C6-N arbeiten. Nachdem bis auf die Fangspiegelstreben alles aus den Tubus entfernt war, wird zuletzt der OAZ demontiert und die Montagelöcher des neuen OAZ angerissen und mit passenden Durchmesser gebohrt. Dazu war es notwendig, die Mitte des Tubus und die des neuen OAZ auszumessen um beides aufeinander auszurichten. Beides, die neuen Löcher und die Mittellinie sind auf den Bild erkennbar:





Um nun das vorhandene Loch auf den Durchmesser das Auszugrohres des neuen OAZ zu erweitern, habe ich den Crayford auf den Tubus montiert. An den Unterlegscheiben erkennt man, dass der neue OAZ für einen 6"-Tubus nicht wirklich vorgesehen ist:





Mit einem Edding habe ich den neuen Durchmesser auf den Tubus markiert, der aber durch die Farbe recht schlecht zu erkennen war:





Einen 6mm-Bohrer in die Maschine gespannt und ein Loch an das andere gesetzt, immer entlang der Linie. Dadurch wurde zwar die Öffnung größer als benötigt, die Basis des neuen OAZ deckt das aber gut ab:





Mit Hilfe eines größeren Seitenschneiders und einer Spitzzange läßt sich das recht dünne Blech Loch für Loch durch schneiden. Dabei habe ich das Blech um die Spitzzange gewickelt und damit eine leichte Spannung zu erzeugen, die das schneiden erleichtert:





Mit einer Halbrundfeile läßt sich anschließend der scharfe Grat gut entfernen. Was ich bis dahin nicht wußte, die Lakierung des Tubus besteht aus mehreren Schichten. Offenbar befindet sich unter dem schwarzen Lack noch eine Grundierung:





Bevor ich den neuen OAZ montiert habe, hatte ich noch einmal den Durchmesser des Auszugrohres vermessen um keine böse Überraschung zu erleben. Aber wie man auf den Bild erkennen kann war das Loch groß genug:





Mit einen großen Blatt Velourfolie, erhältlich in jeden Bauhaus, habe ich den Tubus großflächig um das Loch abgeklebt:





Okularauszug montiert, Fang- und Hauptspiegel wieder eingebaut, alles aufeinander justiert und ... so ein Crayford macht schon was her auf einen 6"f/5-Newton:





Ende Dezember 2007 folgten weitere Modifikationen des Newton, der seither nurnoch fotografisch genutzt wird. Es folgte der Wechsel des Fangspiegels von 42mm kleine Achse auf 63mm kleine Achse(inklusive der Konstruktion und Neubau der Spinne und des Halters) um die massive Vignettierung zu reduzieren, der Tubus erhielt eine neue Farbe(weiss) und der Hauptspiegel wurde von 150mm auf 142mm abgeblendet. Der OAZ aber war die ganze Zeit über fix mit den Tubus verschraubt und so oft ich auch versuchte das ganze System aufeinander abzustimmen, auf den Bildern bzw. in deren Ecken war immer ein leichter Versatz der Fokalebene erkennbar. Der OAZ mußte also justierbar montiert werden. Ich habe mir lange Gedanken über eine Lösung gemacht und letztlich brachte mich Celestron selbst auf die Idee:





Gummiringe! In die Justierung des Hauptspiegels waren vom Werk aus Gummiringe verbaut worden, die als flexibles Gegenlager der Zugschrauben dienten. Seinerzeit war aber meine erste Handlung, diese gegen feste Federn und nur einer Rändelschraube zu ersetzen. Mir kam die Idee als ich meine Kleinteilekiste durchwühlte. Die Gummiringe dienen als flexible Gegenlager, doch wie verhindert man beim justieren, dass sich die Muttern auf der Innenseite des Tubus mitdrehen? Die Lösung war denkbar einfach:





Streifen aus Aluminium mit zwei passenden Gewinden im Abstand der Befestigungsschrauben. So konnte man an den Schrauben drehen, ohne das sie sich lösen. Mit Schultafellack geschwärzt und montiert sieht das so aus:





Natürlich könnte man jetzt meinen, dass diese Konstruktion nie die Stabilität erreicht, wie sie eigentlich für die Fotografie nötig wäre. Dachte ich anfänglich auch. Die Schrauben bestehen aus Edelstahl, A4-Qualität, also um einiges härter als das Zeug was man im Bauhaus zu kaufen kriegt. Diese sind so fest angezogen, dass sich eigentlich das Blech des Tubus unter den Ringen verbiegen sollte, wären da nicht die Alustreifen als Gegenlager. Und trotzdem ist die Justierung nach wievor durch die Gummiringe(auch O-Ringe genannt) flexibel. Das Problem mit den leich verkippten Okularauszug hat sich somit erledigt.

Mir sind auf einigen Bilder auch etwas merkwürdige Reflektionen aufgefallen. Eine Suche nach der Ursache brachte mich dazu, auf den Tubus den Spalt mit Moosgummi zu schließen, der zwagsläufig zwischen Tubus und OAZ durch die Montage entsteht. Auch das hat sich nun erledigt:





Zu guter letzt bin nun soweit mit den Newton als Fotooptik zufrieden. Von den ursprünglichen C6-N ist inzwischen nurnoch der Tubus und der Hauptspiegel original erhalten. Nun kann es an die weitere Optimierung der Montierung und deren Steuerung gehen.

Aber das ist eine andere Geschichte ...

Grüsse und CS,
Matthias


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